Heilpflanzen aus Deutschland sind gefragt, aber die Produzenten stehen vor großen Herausforderungen
Erfurt, 08. August 2023. Arzneipflanzen aus heimischem Anbau bieten als Rohstoff für pharmazeutische Produkte große Vorteile. Das sagte die Leiterin der Abteilung Besondere Therapierichtungen und Pharmazeutische Technologie/GMP beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e.V., Dr. Barbara Steinhoff (Bonn), der Initiative Heimische Landwirtschaft. „Man muss hier die Gesichtspunkte des Preises und der kurzen Wege in die Waagschale werfen – und den Aspekt der Qualität des Materials, das relativ zügig zum Abnehmer transportiert werden kann“, so die Expertin. Ihr zufolge machen pflanzliche Arzneimittel – bezogen auf den Umsatz – etwa ein Viertel des Gesamtmarktes für nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel aus. Bei Verbrauchern seien sie aufgrund des natürlichen Ursprungs, der strengen Qualitätskontrollen und dem günstigen Sicherheitsprofil sehr gefragt.
Steigende Energie- und Arbeitskosten stellen Erzeuger vor Herausforderung
Auch der Vorsitzende des Vereins für Arznei- und Gewürzpflanzen SALUPLANTA e.V., Dr. Wolfram Junghanns (Aschersleben), betonte gegenüber Heimische Landwirtschaft den großen Nutzen von Heil- sowie Gewürzpflanzen, auch unter dem Gesichtspunkt der Bio-Diversität. Zugleich warnte er vor einem langfristigen Rückgang des heimischen Anbaus. Bereits jetzt stammen ihm zufolge lediglich zehn bis zwanzig Prozent der hierzulande verwendeten Arznei- und Gewürzpflanzen aus heimischem Anbau. Grund dafür seien vor allem die hohen Produktionsauflagen sowie Energie- und Arbeitskosten, welche dann natürlich auch zu höheren Preisen führten. „Diese […] möchten die Kunden – vor allem in der Lebensmittelindustrie, aber auch in der Pharmazie und Kosmetik – oft nicht bezahlen“, so Junghanns. Auch der weltweite Anbieterwettbewerb spiele eine Rolle. Durch die derzeit stark ansteigenden Energiekosten befürchtet der Experte zukünftig darum einen deutlichen Rückgang: „Mit den derzeitigen Preisen für eingekaufte Energie bei Strom und Gas sind deutsche Produzenten nicht mehr konkurrenzfähig.“ Alternativ halte er es für denkbar, die zur Trocknung der Kräuter benötigte Energie über eigene Energiegewinnungssysteme der Landwirte zu produzieren. Laut dem Statistischen Bundesamt liegen die Anbauflächen für Heil-, Duft- und Gewürzpflanzen in Deutschland bei 9.600 Hektar. Wichtige Kulturen sind z. B. Kamille, Pfefferminze, Zitronenmelisse und Spitzwegerich. Die bundesweit größten Anbauländer sind Bayern und Thüringen.
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