Der Hof „Wilhelmsburger Weideeier“ setzt auf ein besonderes Miteinander
Auf einer Anhöhe über den Dächern der Kurstadt Bad Kösen in Sachsen-Anhalt thront das Berghotel Wilhelmsburg. Umgeben von Weinbergen und Grünflächen macht der Anblick einen idyllischen Eindruck. Doch hinter dem Hotel sorgen 120 Hühner und sechs Ziegen für Trubel.
Seit den 1990er Jahren wird das Berghotel Wilhelmsburg von der Bad Kösener Familie Becker betrieben. Gemeinsam mit Dustin Forgo betreibt Marie Becker heute auf dem umliegenden Gelände eine Freilandhühnerhaltung namens „Wilhelmsburger Weideeier“ im Nebenerwerb. Begonnen haben sie mit 20 Hühnern – Heute ist ihre Hühnerschar auf 120 Tiere der Rassen Lohmann Brown und Lohmann Sandy gewachsen. „Mal sehen, wie es weitergeht“, erzählt Dustin Forgo. „Unser Ziel ist es, dass irgendwann 200 Hühner bei uns leben.“
Der heimliche Star der Hotelbesucher sind aber nicht die Hühner, sondern ihre paarhufigen Mitbewohner Die Hühnerschar teilt sich ihren Auslauf nämlich mit sechs Ziegen. Obwohl die neugierigen Tiere zunächst mit ihren gewagten Kunststückchen und ihrem starken Bedürfnis nach Streicheleinheiten begeistern, sind sie eigentlich zum Schutz der Hühner da. „Sie verteidigen ihr Revier, selbst bei Angriffen aus der Luft“, erklärt Dustin Forgo. Hühner und Ziegen sind mittlerweile ein eingespieltes Team. „Die Ziegen weichen den Hühnern nicht von der Seite.“
Der gelernte Landwirt, der heute hauptberuflich im Vertrieb arbeitet und seine in der Futtermitteltechnik tätige Lebensgefährtin versuchen sich außerdem an der Hühnerzucht. „Wir wollen als Alleinstellungsmerkmal erreichen, dass in jeder Packung unserer „Wilhelmsburger Weideeier“ ein grünes Ei ist.“ Gelegt werden diese besonderen Eier u.a. von Araucana-Hühnern, sogenannte „Grünleger“. Im Vergleich zu ihren 120 Kolleginnen der Lohmann-Rassen haben die Auracana-Hühner eine weniger starke Legeleistung. Um ihr Ziel zu erreichen, braucht es deswegen noch etwas Geduld.
Um sowohl die Hühnerhaltung als auch die Hühnerzucht im Nebenerwerb stemmen zu können, ist dem Paar Effizienz besonders wichtig. „Unser Hühnermobil hat deswegen eine automatische Kettenfütterung, Abrollnester und Kotbänder“, erzählt Dustin Forgo. Um die Hühner auch aus der Ferne im Blick behalten zu können, wurden Kameras installiert. „So kann ich auch auf Arbeit sehen, dass es ihnen gut geht.“
Hühner reagieren empfindlich auf Kälte und Feuchtigkeit. Um auch bei nasskaltem Herbst- und Winterwetter an die frische Luft zu können, gibt es unter dem Hühnermobil einen Kaltscharrraum. Diese reine Scharrfäche ist zum Schutz vor Feuchtigkeit mit Stroh ausgelegt und bietet den Hühnern eine immer trockene Möglichkeit des Auslaufs. Auch unter dem Mobilstall wird der vorhandene Platz mit einem Gemisch aus Strohhäckseln und Sägespänen ausgelegt, um für trockene Hühnerfüße zu sorgen. Das Hühnermobil wird regelmäßig umgesetzt, so dass Ziegen und Hühner immer grünes Gras zum Picken, Scharren und Toben haben. Die Möglichkeiten dafür sind auf dem zwei Hektar großen Gelände rund um das Hotel Wilhelmsburg vielfältig.
Damit die Hühner auch im Winter bester Gesundheit sind, bekommen sie besonderes Futter. „Wir setzen Legemehl ein, unter das Oregano und Karotten gemischt sind. Das stärkt das Immunsystem. Außerdem füttern wir abends etwas Muschelkalk zu, um die Eischalenstärke aufrecht zu erhalten.“
Neben der Tierhaltung ist der Weinbau ein weiteres Standbein der Familie. Auf einem halben Hektar großen Weinberg baut Familie Becker ihren eigenen Wein an. „Wir sind aber keine Profis. Deswegen holen wir uns bei allem, was wir nicht wissen, Unterstützung von ansässigen Winzern aus der Region.“ So wird ihnen beispielsweise beim Rebschnitt und beim Keltern der Weine geholfen.
Zu kaufen gibt es die Eier vor dem Parkplatz des Berghotels. Die kleine Holzhütte ist rund um die Uhr an jedem Wochentag geöffnet. In ihrem Inneren versteckt sich ein mit frischen Eiern gefüllter Kühlschrank sowie eine Kasse des Vertrauens. „Wir wünschen uns, dass wir eines Tages mehr Geld mit unseren Hühnern verdienen“, so Dustin Forgo. „Und wer weiß: vielleicht machen wir das eines Tages hauptberuflich.“
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