Wer beim Besuch des traditionellen Striezelmarktes in Dresden Appetit auf eine Original Thüringer Rostbratwurst hat, beißt mit hoher Wahrscheinlichkeit in eine Wurst aus Kamsdorf. In den Genuss gekommen sind bereits die Gäste der legendären Störtebeker Festspiele auf Rügen. Und auch diejenigen, die schon einmal am berühmt berüchtigten „Ballermann“ auf Mallorca Urlaub gemacht haben und nicht auf die heimischen Bratwürste verzichten wollten, konnten sich von der Qualität der Landfleischerei Kamsdorf überzeugen. Doch wo liegt dieses Kamsdorf überhaupt, das für die überregionale Bratwurstversorgung so wichtig ist?
Wir haben uns auf den Weg in das beschauliche Örtchen im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen gemacht, um mehr über den Weg der Bratwürste, aber vor allem über den dahinter stehenden Landwirtschaftsbetrieb zu erfahren.
Dieser Landwirtschaftsbetrieb ist die Agrargenossenschaft Kamsdorf. Hier werden die 2.000 Mastschweine gehalten, die für die gute Thüringer Bratwurst notwendig sind. Doch die Überraschung kommt gleich zu Beginn: Was die Tiere im Betrieb angeht, sind Rinder sogar noch wichtiger als die Schweine, erklärt Dirk Reichelt, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, zu dessen Verbund insgesamt sechs Firmen mit insgesamt 170 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gehören.
Vom Ackerbau mit der Produktion von Futter für die eigenen Schweine, Rinder und Schafe über die Verwertung von Gülle in einer Biogasanlage, worüber 70 Haushalte mit Strom und Wärme versorgt werden bis hin zur Herstellung und Vermarktung der selbst produzierten Lebensmittel: Die Idee der Kreislaufwirtschaft wird in Kamsdorf gelebt.
Vom Füttern bis hin zu den Aufgaben in der Führungsetage sind Dirk Reichelt dabei alle Arbeitsbereiche des Landwirtschaftsbetriebes bestens vertraut. Obwohl er heute die meiste Zeit am Schreibtisch verbringt, scheut er sich nicht davor auch selbst mit Hand anzulegen und Geburtshilfe bei Kühen zu leisten oder die Weiden für die Rinder vorzubereiten. Überhaupt: Die Rinder haben es dem 49-Jährigen besonders angetan. Täglich schaut er nach ihnen und prüft, ob es den Tieren gut geht.
Von den circa 3.500 Rindern, die in Kamsdorf leben, sind allein 2.500 so genannte Fleischrinder. Sie werden gehalten, um sie für die Herstellung von Wurst und Fleisch nutzen zu können. Die restlichen 1.000 Tiere sind Milchkühe, die etwa 24.000 Liter Milch pro Tag geben. Ihre Milch wird zum Großteil an eine nahe gelegene Molkerei geliefert. Die regionale Kundschaft kann die Milch auch direkt vor Ort an einem Automaten kaufen. „Die Direktvermarktung ist eines der wichtigsten Standbeine für uns“, sagt Dirk Reichelt. In vier Filialen der Landfleischerei Kamsdorf gibt es nach traditionellen Rezepturen hergestellte Wurst- und Fleischwaren vom Schaf, Schwein und Rind.
Weil man gerade in den Filialen immer direkt am Kunden ist, kann schnell auf deren Wünsche reagiert werden. So haben es zum Beispiel die Kamsdorfer Kolbenfresser, das Kamsdorfer Rübli und die Kamsdorfer Rotkrautbratwurst in die Fleischtheken geschafft. Diese Bratwürste haben einen hohen Gemüseanteil und damit 50 Prozent weniger Fett als die herkömmlichen Bratwürste.
Und da man in Kamsdorf experimentierfreudig ist, wird die Bratwurst saisonal z.B. mit Bärlauch, Schwarzbier, Kartoffeln oder Spargel verfeinert. In den Genuss dieser Köstlichkeiten kommen allerdings nur die Kundinnen und Kunden in der Region. Alle anderen haben jedoch die Chance auf ausgewählten Weihnachtsmärkten, Events oder in der Gastronomie von der Ostsee bis nach Mallorca die klassische Kamsdorfer Bratwurst zu essen. Oder sie planen einen Besuch im malerischen Saaleland unweit des Hohenwartestausees ein und probieren gleich noch die frisch zubereitete Hausmannskost im Landgasthof in Kamsdorf.
Mehr Informationen, Adressen und Öffnungszeiten unter:
www.agrargenossenschaft-kamsdorf.de
Agrargenossenschaft Kamsdorf bei Instagram: www.instagram.com/_agrargenossenschaft.kamsdorf
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