Sonntag, 19.Februar 2023

Von der Erbse bis zur Sojabohne: Deshalb wachsen auf den Feldern dieses Landwirts so viele Hülsenfrüchte

Der Anbau von Hülsenfrüchten steht in Deutschland noch in den Startlöchern. Auch wenn Kulturen wie Ackerbohnen und Erbsen häufiger zu finden sind, sind Kichererbsen, Sojabohnen und Linsen eher Exoten. Vor allem Soja wird jedes Jahr in hohen Mengen aus dem Ausland importiert. Weil Hülsenfrüchte allerdings u.a. bei uns Verbrauchern immer beliebter werden und sie außerdem viele Vorteile für den Boden haben, beschäftigen sich viele Landwirte mit dem Anbau. Einer davon ist Matthias Wiegand von der BioLution GmbH in Straußfurt, etwa 30 Kilometer nördlich von Erfurt in Thüringen gelegen. Er hat uns im Interview erzählt, welche Hülsenfrüchte auf seinen Feldern wachsen, wofür sie verwendet werden und warum sie aus seiner Sicht so wichtig sind.

Herr Wiegand, seit wann bauen Sie Hülsenfrüchte an und warum?

MW: Wir bauen seit fünf Jahren verschiedene Hülsenfrüchte an. Bei uns werden auf 40 Hektar Sojabohnen, auf 30 Hektar Ackerbohnen, auf 35 Hektar Erbsen und auf zehn Hektar Lupinen angebaut. Außerdem läuft der Anbau nach EU-Bio-Verordnung.

Aus landwirtschaftlicher Sicht sind Hülsenfrüchte interessant, weil sie sehr gut für unsere Böden sind. Sie können Stickstoff aus der Luft binden. Diesen nutzen sie für sich selbst und reichern außerdem den Boden damit an. Und genau solche Pflanzen brauchen wir in der Fruchtfolge, denn Stickstoff ist als „Motor der Pflanze“ sehr wichtig für das Wachstum. Durch Hülsenfrüchte wird der Boden mit Stickstoff angereichert, ohne den Einsatz von mineralischen Düngemitteln. Außerdem werden Hülsenfrüchte im Anbau maschinell gehackt, denn chemische Pflanzenschutzmittel sind nicht erlaubt. Dadurch können wir Wurzelunkräuter in ihrer Entwicklung zurückdrängen. Noch dazu durchwurzelt zum Beispiel die Ackerbohne den Boden gut, wodurch dieser aufgelockert wird.

Und welche Herausforderungen bringt der Anbau von Hülsenfrüchten mit sich?

MW: Im Vergleich zu herkömmlichem Getreide benötigen Hülsenfrüchte teilweise mehr Wasser. Da wir im mittelthüringischen Trockengebiet wirtschaften, kommt es bei uns zu großen Ertragsschwankungen. Dazu kommt, dass Hackgeräte zur Unkrautregulierung angeschafft werden müssen. Außerdem müssen die Mähdreschereinstellungen und die Schneidewerke so angepasst werden, dass vor allem bei der Ernte von Soja ein tiefer Schnitt möglich ist. Soja setzt die ersten Hülsen sehr nah am Boden an und um Ertragsverluste zu minimieren, sind flexible Schneidwerke und gute ebene Vorbereitung der Aussaatflächen notwendig.

Was passiert nach der Ernte mit den Sojabohnen, Lupinen und Erbsen? Wer sind die Abnehmer?

MW: Derzeit gehen unsere Hülsenfrüchte ausschließlich in die Futtermittelindustrie. Allerdings planen wir als nächsten Schritt den Anbau als Nahrungsmittel für die menschliche Ernährung. Hier sind jedoch hohe Auflagen in Form von Sortenreinheit, Besatz, Feuchtigkeit und Rohproteingehalt für eine wirtschaftliche Vermarktung wichtig.

Und wie sieht die derzeitige Nachfrage aus?

MW: Die Nachfrage ist gut, jedoch sind die Märkte momentan sehr volatil. Herrscht ein Überangebot im Markt, sorgt das für Preisabschläge. Das sollte man mit gezielter Fruchtfolgeplanung und der Ausweitung auf eine Vielzahl an Hülsenfrüchten kompensiert werden.

Ein Teil geht an einen regionalen Milchviehhalter, welcher ausschließlich Bio-Milch erzeugt. Die anderen Mengen werden in einem Futtermischwerk im Süden von Deutschland weiterverarbeitet.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Lesen Sie hier, wie Matthias Wiegand zur Kritik am Sojaanbau steht


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