Freitag, 2.Juni 2023

Mehr als Schäfchen zählen

Von früh bis spät draußen sein, Schafe beobachten und mit keinem reden müssen – So stellen sich wohl viele den Beruf des Schäfers vor. Doch weit gefehlt! Ein guter Schäfer trägt viel Verantwortung, braucht ein umfangreiches Wissen, muss schnelle Entscheidungen treffen und mit wenig Freizeit auskommen. So wie z.B. Holger Backhaus, Schäfer der Agrargesellschaft mbH „Mittleres Nessetal“, von dem wir bei einem Besuch so einiges über Schafhaltung gelernt haben.

Egal, wo und wann man Schäfer Holger Backhaus trifft – Seine beiden wichtigsten Mitarbeiter sind immer mit zur Stelle. Schäfer ohne Hütehund, das gibt es nicht, ist also gleich die erste Erkenntnis unseres Besuchs auf dem Krahnberg nahe dem thüringischen Trügleben (bei Gotha). Mit einer beachtlichen Herde von 1.400 Schafen der Rasse Merino sowie einigen Ziegen ist Backhaus hier heute vor Ort. Während die Schafe seelenruhig grasen, flitzen die beiden Hunde Max und Viktor – ein Harzer Fuchs und eine Gelbbacke – aufgeregt umher, sind jedoch sofort zur Stelle, wenn der Schäfer ein Kommando gibt.

Naturnah ja, Eigenbrötler nein

Fragt man Backhaus nach dem Grund seiner Faszination für den Beruf ist die Arbeit mit den Tieren auch gleich die erste Antwort, gefolgt von der Ruhe. „Man bekommt einen anderen Sinn dafür, was in der Natur passiert.“ Das Vorurteil des Eigenbrötlers hingegen kann der Schäfermeister entschieden entkräftigen, denn auch die Begegnungen mit Spaziergängern oder Fahrradfahrern zählen für ihn zu den schönen Seiten des Berufs – zumindest in 90 Prozent der Fälle. Doch wie wird man eigentlich Schäfer?

Umfangreiche Ausbildung

Bei Backhaus wurde die Vorliebe für die wollenen Wiederkäuer tatsächlich bereits in die Wiege gelegt. Bereits sein Vater und Großvater waren Schäfer. Aber auch ohne Schäferblut in den Adern kann man sich natürlich für den Beruf qualifizieren. Als Auszubildender zum „Tierwirt – Fachrichtung Schäferei“ erlernt man in drei Jahren Praxis und Theorie alles rund um Schafe, ihre Anatomie, Aufzucht, Fütterung und Versorgung bis hin zum Klauenschneiden oder Koppel bauen. Auch die Tiergesundheit ist Teil der Wissensvermittlung. Und sogar mit Pflanzen sollte man sich auskennen – auf jeden Fall mit denen, die für Schafe schlimme Folgen haben können. „Johanniskreuzkraut und Eibe“, weiß Experte Backhaus.

Langweilig wird es als Schäfer nicht

Als erfahrener Schäfer (mit zusätzlichen 400 eigenen Schafen für die seltene Freizeit) hat er schon einiges mitgemacht – unzählige Lammgeburten, Schurtage oder auch den Wettbewerb im Leistungshüten. Für die „goldene Schippe“ hat es da nur knapp nicht gereicht: Vizemeister ist Backhaus geworden. Auch, wenn bei über 1.000 Schafen nicht jedes einen Namen hat – der Schäfer kennt seine Tiere ganz genau und begleitet sie im Schnitt acht Jahre, bis sie den Weg in die Fleischproduktion gehen. Die Grundvoraussetzung für den Beruf? „Voller Einsatz! Als Schäfer ist man an 365 Tagen im Jahr, bei Regen, Schnee und Hitze gefragt“, steht für Backhaus fest. Und noch etwas: Ob große Herausforderungen wie die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel oder kleinere wie ein eingetretener Dorn bei einem Schaf – „langweilig wird es als Schäfer nie.“

 

Darum müssen Schafe zum Friseur

Die meisten Schafe müssen mindestens ein Mal im Jahr zum Friseur. Das sagt das Tierschutzgesetz. Für das Scheren holen sich Schäfer in der Regel erfahrene Profis. Das Entfernen der Wolle dauert dann wie bei den Merinoschafen nur etwa drei Minuten pro Tier. Übrig bleiben jeweils drei bis vier Kilogramm Wolle.

Wenn alle etwa 1.400 Schafe dieser Herde der Agrargesellschaft Mittleres Nessetal geschoren sind, ergibt das eine Menge Wolle: Ganze 5.000 Kilogramm! Und das stellt den Schäfer vor ein Problem. Wohin damit? Eigentlich ist Wolle ein wertvolles Naturprodukt. Es kann für Kleidung und andere Textilien, aber auch als Dämmmaterial oder Dünger eingesetzt werden. Aber häufig wird heimische Ware durch Importe verdrängt oder die Nachfrage ist zu gering.

Insgesamt ist das Scheren der Schafe nicht wirklich rentabel. Gemacht werden muss es trotzdem. Denn sonst wird es auch Schafen im Sommer zu warm und die Wolle wird auch schlichtweg zu schwer.

Hier gibt es ein Kurzvideo über das Schafescheren

 

Unzertrennlich: Der Schäfer und seine Hunde

Sie sind die wichtigsten Mitarbeiter von Schäferinnen und Schäfern: Hütehunde. Sie halten die Herde in Schach, verteidigen sie gegen Angreifer, passen auf, dass kein Schaf ausbüxt.

Hier gibt es ein kurzes Video über Hütehunde

 


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