Wer noch vor wenigen Jahren frische Lebensmittel direkt beim Bauern kaufen wollte, hat in der Regel den Hofladen oder einen Wochenmarktstand angesteuert. Doch heute gibt es viele weitere Möglichkeiten regional und saisonal einzukaufen. Neben Gemüse-Abo-Kisten oder 24-Stunden-Verkaufsautomaten hat sich in vielen Städten die Idee der „Marktschwärmer“ etabliert.
Hier kommen die Lebensmittel vom Erzeuger in die Stadt. Landwirte schließen sich einer Marktschwärmerei in ihrer Region an und beliefern diese regelmäßig mit ihren Produkten. Verbraucher können dann in ihrer Schwärmerei bei allen teilnehmenden Bauern einkaufen, was sie benötigen. Das Besondere: Der Kauf findet online statt. Auch gezahlt wird gleich auf diesem Weg. Der Einkauf kann dann an einem fest vereinbarten Termin abgeholt werden und das aufwendige Ansteuern verschiedener Hofläden entfällt.
Der Vorteil für den Landwirt liegt auf der Hand: Geliefert wird nur, was auch tatsächlich verkauft wird. Die Einnahmen sind planbar. Lebensmittelabfälle, die durch ausbleibende Kundennachfrage entstehen können, werden reduziert.
Viele dieser Marktschwärmereien gibt es in Großstädten. Im ländlichen Raum sind sie derzeit eher selten zu finden. Dass es aber auch in kleineren Städten funktionieren kann, zeigt das Beispiel der Schwärmerei in Reinsdorf bei Zwickau (Sachsen). Als Kai Engelhardt, Geschäftsführer des Futtermittelherstellers Reika, vor vielen Jahren von dem Konzept hörte, war er sofort begeistert. Ihm gefiel vor allem, dass dabei Landwirte und Verbraucher zusammengebracht werden können. Der gelernte Müller und studierte Betriebswirt plante ohnehin gerade den Bau eines modernen Verkaufs- und Veranstaltungsgebäudes und hatte damit alles, was es für einen Marktschwärmer-Standort braucht. „Unsere Landmarktscheune ist ein perfekter Ort, weil wir hier nicht nur Verkaufsfläche und einen Lounge-Bereich, sondern auch ausreichend Parkplätze haben“, sagt Engelhardt.
Seit der Eröffnung 2019 hat sich die Marktschwärmerei in Reinsdorf etabliert. 20 bis 30 landwirtschaftliche Erzeuger aus dem Umkreis von etwa 50 Kilometern bieten ihre Waren an. Von Brot und Backwaren, über Milch- und Molkereiprodukte, bis hin zu Obst, Gemüse und Fleisch und Wurst und anderen regionalen Lebensmitteln ist immer ein großes Sortiment im Angebot. Jeden Mittwoch von 17 Uhr bis 18.30 Uhr holen die Kunden ihre Bestellung in Reinsdorf ab. 50 bis 60 Leute kommen im Schnitt, die meisten wohnen im nahe gelegenen Zwickau. Unter ihnen sind viele junge Familien. Aber auch immer mehr Ältere finden Gefallen an der Marktschwärmerei. Bio-Lebensmittel werden übrigens nicht nachgefragt, verrät uns Annett Klaumünzner, die bei der Reika GmbH für das Qualitätsmanagement zuständig ist. Daher liege der Fokus bei den angebotenen Lebensmitteln auch auf der Regionalität.
Wichtig ist den Marktschwärmer-Betreibern Kai Engelhardt und Steffi Strobelt, dass es immer wieder auch Events gibt, bei denen es Zeit für den Austausch zwischen Landwirten und Käufern gibt. So soll es auch in diesem Jahr wieder einen Tag der offenen Tür geben, bei dem man neue und bekannte Produkte verkosten und kennenlernen, vor allem aber miteinander ins Gespräch kommen kann.
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