Abschied nehmen heißt es für Landwirt Ralph Wickler und sein Team der Gleistal-Agrar eG Golmsdorf von einem Großteil der Ziegen. Nach 25 Jahren ist Ende des Jahres Schluss mit der Ziegenhaltung am Stadtrand von Jena. Von den 2.000 Ziegen, die an zwei Standorten gehalten werden, bleiben nur etwa 200. Man war jahrelang stolz auf diesen besonderen Betriebszweig. Denn die Milch wurde regional an eine Molkerei vermarktet, die daraus leckeren Ziegenkäse hergestellt hat.
Doch das Aus ist unvermeidlich, denn:
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„Für Tierhaltung gibt es in Stadtnähe einfach keine Zukunft“, fasst es der Vorstandsvorsitzende Ralph Wickler zusammen. Immer wieder gab es Beschwerden von Anwohnern: Der Geruch vom , zu viele Fliegen und, Arbeitsgeräusche insgesamt störten. Um die Fliegen, die zwangsläufig in Stallnähe zu finden sind, mit Nützlingen wie Schlupfwespen zu bekämpfen, entstanden Kosten in Höhe von über 10.000 Euro pro Jahr. Diese Mehrausgaben seien mit der Milchproduktion nicht zu kompensieren.
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Fehlende Perspektive durch mangelnde Planungssicherheit: Zwar gab es Überlegungen einen neuen Tierwohlfühlstall mit moderner Melktechnik zu bauen, aber bei ständig wechselnden politischen Vorgaben sei eine Investition von fünf bis acht Millionen Euro schwierig, sagt Wickler. Denn: Ob sich diese Investition rechnet, sei fraglich.
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Zu viel Bürokratie: Umfangreiche Meldeverfahren, teils Mehrfachmeldungen für unterschiedliche Behörden und ständige Kontrollen führen zu großem Druck bei den verantwortlichen Tierhaltern. Der Dokumentationsaufwand sei kaum noch beherrschbar.
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Zu wenig Personal: Wie alle Tiere brauchen auch die Ziegen 365 Tage im Jahr Pflege. Doch kaum jemand will diese Jobs noch erledigen und am Wochenende, an Feiertagen oder außerhalb von Bürozeiten (also 9 bis 17 Uhr) arbeiten.
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Aktuell schwierige Marktlage: Ziegenmilch kann im Moment nicht gut verkauft werden. Es gibt zu wenig Nachfrage von Molkereien bei einer zu hohen Milchmenge insgesamt.
Und was wird aus den Tieren?
Ein Großteil der Ziegen wird nach und nach verkauft oder geschlachtet und das Fleisch regional vermarktet. Die 200 Tiere die bleiben, werden in Zukunft als Landschaftspfleger gemeinsam mit den 600 Schafen auf den Wiesen und Weiden in den Seitentälern des Saaletals unterwegs sein.
„Dass wir uns nach 25 Jahren von unseren Milchziegen trennen müssen, tut schon weh. Denn wir haben mit viel Energie und Herzblut eine Nische aufgebaut und uns dort gut etabliert. Die Tierhaltung gehört für einen Landwirtschaftsbetrieb außerdem dazu, denn nur so ist eine funktionierende Kreislaufwirtschaft möglich. Aber wir müssen uns anpassen an die Gegebenheiten. Das haben wir immer getan. Dort, wo jetzt noch unsere Ställe stehen, werden vielleicht in Zukunft Wohnhäuser gebaut. Der Bedarf dafür ist größer als für die Flächen für die Herstellung von Lebensmitteln zu nutzen. Ich sehe das mit einem lachendem und einem weinenden Auge.“